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Organisation, Ränge und Funktionen

Die Prätorianergarde verfügte 9 Kohorten a 500 Mann und hatte ungefähr die Grösse einer Legion. Sie war aber eine Verfügungstruppe ähnlich wie die in Rom stationierten Stadtkohorten oder Vigiles. Die Grösse und Anzahl der Kohorten variierte von Zeit zu Zeit: laut Tacitus wurde die Zahl der Kohorten im Jahr 47 n. Chr. auf 12 erhöht, im Jahr 69 n. Chr. kurzzeitig auf 16 um dann von Vespasian schnell wieder auf 9 reduziert zu werden. Schliesslich wurde die Kohortenzahl im Jahr 101 wieder auf 10 erhöht, so dass die Prätorianergarde 5000 Mann zählte. Unter Septimus Severus (193 n. Chr.) wurde die Mannstärke einer Kohorte auf 1'500 erhöht.

Zwei Präfekten (praefectus praetoriae) befehligten die Garde. Anders als bei den Legionen hatte jede Kohorte einen Tribun und sechs Centurien, welche untereinander alle gleich waren. Der Grossteil der Prätorianergarde bestand aus Infanterie, doch wie die Legionen umfasste auch die Garde eine Reiterabteilung. Inschriften lassen darauf schliessen, dass Soldaten nach etwa fünf Jahren Dienst bei den Fusstruppen zu Reiter (equites) werden konnten. Die Garde hatte ausserdem eine besondere Elite-Reiterabteilung, bekannt als speculatores augusti, die die berittene kaiserliche Leibwache bildete.

Die Ränge der Prätorianerkohorten werden folgend in aufsteigender Ordnung aufgelistet. Die Funktionen und Grade in eckigen Klammern [] sind solche die von den Prätorianern gelegentlich durchlaufen wurden aber im Praetorium nicht enthalten sind.

  • munifex (miles cohortis praetoriae)
    Einfacher Soldat einer Prätorianerkohorte
    • [miles cohortis vigilum]
    • [miles legionis] (3. Jahrhundert n. Chr.)
    • [miles cohortis urbanae]
  • immunis
    vom allgemeinen Dienst befreiter Soldat, ähnlich dem heutigen Gefreiten. Im 5. Dienstjahr konnte der Prätorianer
    übergehen zu den:
    • equites
      Reiter
    • aeneatores
      Trompeter und Hornisten
    • speculatores
      Elite der Prätorianer, die in der nächste Umgebung des Kaisers dienten
  • principalis
    im 8. Dienstjahr:
    • tesserarius
      der die Parole, die tessera, erhält und weitergibt
    • optio
      Stellvertreter des centurio, ähnlich dem heutigen Feldweibel
    • signifer/vexillarius
      Standarten- bzw. Fahnenträger
    • fisci curator peditum vel equitum
      Zahlmeister der Fusstruppen und der Reiterei
    • cornicularius tribuni
      Kanzleichef des Tribunen
    • beneficiarius praefectorum
      Ordonnanz der beiden Präfekten
    • cornicularius praefectorum
      Kanzleichef des Präfekten
  • evocatus
    Wiedereinberufener, im 16. Dienstjahr, vor allem als Ausbilder tätig. Prätorianer die zu den Legionen wechselten wurden zu evocati augusti
  • centurio
    Befehlshaber einer Centurie
    • centurio cohortis praetoriae
    • exercitator equitum praetorianorum
      Lehrmeister und Ausbilder der Reiterei
    • princeps praetorii
      Chef der kaiserlichen Stabes
    • trecenarius
      Centurio der speculatores
    • [centurio legionis]
    • [centurio cohortis vigilum]
    • [centurio statorum]
      Gerichts- und Polizeidienst
    • [centurio cohortis urbanae]
  • tribunus (tribunus cohortis praetoriae)
    Befehlshaber einer Kohorte
    • [tribunus militum legionis]
    • [tribunus cohortis vigilum]
    • [tribunus cohortis urbanae]
    • [procurator]
  • praefectus (praefectus praetoriae)
    Befehlshaber der Prätorianergarde
    • [praefectus vigilum]
    • [praefectus annonae]
      verantwortlich für die Getreideversorgung
    • [praefectus Aegypti]

Während des ersten Jahrhunderts des Prinzipats besassen die julisch-claudischen Kaiser parallel zu den Prätorianern eine persönliche Leibwache aus germanischen oder gallischen Truppen. Ihr Ursprung lag in der Bürgerkriegszeit, als man fremde Söldner offensichtlich für zuverlässiger hielt als eine Garde aus römischen Bürgern, deren Loyalität eventuell gespalten war. Im Gegensatz zu den Prätorianern waren die corporis custodes im Grunde eine Privateinheit. Inschriften belegen, dass die Rekrutierung direkt in Germanien oder Gallien stattfand und dass diese Individuen keine römischen Bürger wurden. Der Einsatz von Germanen mit ihren zotteligen Bärten, ihrer enormen Körpergrösse und berüchtigten Wildheit, sollte Attentäter abschrecken. Die Germanen dienten als Infanterie wenn sie beim Palast Wachdienst versahen, im Feld als Reiterei und waren direkt dem Kaiser unterstellt. Sie waren aber paramilitärisch organisiert und keinesfalls Teil der prätorianischen Garde.

Corporis Custodes (Leibwache)

Vergleichbar mit den heutigen Bodyguards.
 
 
copyright cohors v praetoria, MMXI, letzte aktualisierung: März 2012