Das Leben als Prätorianer
Der Prätorianer genoss in vieler Hinsicht einen attraktiveren Dienst gegenüber eines Legionären, z. B. seine kürzere Dienstzeit sowie seinen bis zu 3 fachen höheren Sold.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. beschränkte man sich bei der Rekrutierung aus Italien stammende Männer. Eine gewisse Zeitlang rekrutierte man Gardisten sogar nur aus Latium, Etrurien und Umbrien. Später war man gezwungen auch ausseritalienische Rekruten den Zugang in die Prätorianergarde zuzulassen.
Der Eintritt in die Prätorianergarde geschah zu einem beliebigen Zeitpunkt des Jahres im Alter zwischen 16 und 32 Jahren. Um in die Prätorianergarde aufgenommen zu werden musste man über entsprechende Vergünstigungen geniessen, ein guter Charakter aufweisen, körperlich fit und gesund sein und aus einer respektablen Familie stammen. Von Vorteil war es wenn der Anwärter, der probatus, sich Empfehlungsschreiben von bekannten Persönlichkeiten ausschreiben lassen konnte. Wurde man aufgenommen, absolvierte man als Rekrut (tiro) die Grundausbildung um später als miles in einer der Centurien einer Kohorte zugeteilt zu werden.
Die Dienstzeit der Prätorianer betrug ab 5 v. Chr. 16 Jahre. Da Entlassungen alle 2 Jahre stattfanden diente die Hälfte der Garde 17 Jahre. Nach der Laufbahn als Prätorianer, der honesta missio, erhielt der Veteran eine Abfindungssumme ausgezahlt, die aus den obligatorischen seposita, eine Art Altersvorsorge, und der Hälfte der erhaltenen donativa bestand. Dazu kamen noch Prämien wie auch Landschenkungen, teils in bereits vorhandenen Koloniestädten, teils in neugegründeten wie z. B. in augusta praetorianorum, das heutige Aosta. In den meisten Fällen haben die Veteranen in den kleinen Städten, in die sie sich zurückzogen, ein aktives Leben als städtische Beamte geführt. Als evocatus konnte man aber auch als Ausbilder in der Garde weiter dienen oder als evocati augusti zu den Legionen wechseln.
Die Elitäre Stellung der Garde wird deutlich wenn man die Jahresgehälter der Prätorianergarde mit denen der Legionen, Auxiliartruppen und der Städtischen Kohorten vergleicht (Stufe Soldat):
| Denaren/Jahr |
Augustus - Domitian |
Domition - Septimius Severus |
Septimius Severus - Caracalla |
Caracalla - Diocletian |
Römsche Garnison
Prätorianer:
urbinicianus:
Wachsoldat: |
750
375
150 |
1000
500
300 |
1500
750
300 |
2250
1125
450 |
Legion
Infanterist:
Reiter: |
225
300 |
300
400 |
450
600 |
675
900 |
Hilfstruppe
Infanterist:
Kohortenreiter:
Alenreiter: |
75
150-200
250 |
100
200-226
333 |
150
300-400
500 |
225
450-600
740 |
Flotte
Prätorische:
Provinzflotte: |
150
75 |
200
100 |
300
150 |
450
225 |
Zusätzlich zum Sold kamen die donativa hinzu. Solche Schenkungen wurden von den Kaisern zu ihrem Regierungsantritt, durch Testament oder im Verlauf der Regierung aus verschiedenen Gründen gewährt. Seit der Erhebung von Claudius war es für die Garde wie selbstverständlich, beim Regierungsantritt eines neuen Kaisers mit einem donativum beschenkt zu werden. Es machte mindestens das fünffache des Jahressolds aus!
Zu den Aufgaben bzw. Pflichten der Prätorianer gehörte die tägliche Aufstellung einer Kohorte im Kaiserpalast für den Wachdienst, Begleiten der Kaiser und Mitglieder der kaiserlichen Familie auf Reisen und Kriegen und Polizeidienst: unter tyrannischen Kaisern wie Caligula verrichteten sie auch Dienst als Henker, Folterknechte und allseits gefürchtete geheime Staatspolizei.
Wie auch die Angehörigen der Legionen durfte der Prätorianer während seiner Dienstzeit nicht heiraten. Im Jahre 197 n. Chr. durften die Legionäre und auch Auxiliares eine Ehe eingehen, nicht aber die Prätorianer. Ihnen wurde das conubium weiterhin nicht zugestanden. Ob einzelne von ihnen ausserhalb des Lagers eine illegale Familie unterhalteten ist spekulativ, aber durchaus möglich.
honesta missio
Die ehrenhafte Entlassung aus der Armee.
Donativum (Plural: Donativa)
Geldgeschenke an den Soldaten der Legion oder der Prätorianergarde.
conubium
Eine Fähigkeit im römischen Recht mit einer bestimmten Person eine anerkannte Ehe einzugehen. |