Waffen, Ausrüstung und Bekleidung
Der Kenntnisstand betreffend Prätorianerausrüstung ist einem enormen Wandel ausgesetzt, da zum Teil keine direkte Funde existieren und Informationen lediglich von Fresken oder Mosaiken entnommen werden können, wo die Gefahr gross ist dass die Darstellung falsch interpretiert wird. Zum Beispiel ob es sich bei der dargestellten Person um einen Soldat oder eine Gottheit handelt oder ob der dargestellte Ausrüstunggegenstand auch jemals gefunden wurde.
Nach den schriftlichen Überlieferungen besassen die Prätorianer 5 Gewandungen:
- Beim Friedensgewand trug der Prätorianer in Rom eine Toga. Die Waffe durfte nicht offen getragen werden und wurde unter der Toga verbergt, sonst galt dies als ungesetzliche Gewaltandrohung.
- Das Festgewand war eine waffenlose Gewandung, nur aus Tunika und Lorbeerzweig bestehend. Dazu die Schilderung Herodians, als Severus die Garde ausschalten wollte:"...erlässt er ein allgemeines Schreiben an das gesamte Prätorianerkorps, worin er ihnen befiehlt, unter Zurücklassung des gesamten Gepäcks und der Waffenrüstung in friedlichem Aufzug aus dem Lager auszurücken, wie es dem Kaiser, wenn er ein Opfer oder einen Festzug hält, vorauszugehen pflegt. Dann sollte es dem Severus den Huldigungseid leisten... Die Soldaten vertrauten dieser Botschaft. Sie liessen ihre Waffen sämtlich zurück und zogen, nur mit ihren Festkleidern angetan und mit Lorbeerzweigen in den Händen, eiligst hinaus..."
- Die Paradeausrüstung bestand aus einer Vielzahl verzierte Ausrüstungsgegenstände, Merkmale bei Relievs sind vor allem die grossen, verzierte Ovalschilde und verzierte Helme mit Helmbusch aus Federn.
- Der kleine Dienstanzug entsprach der Feldausrüstung lediglich ohne Panzerung und ohne Helm, nur Ovalschild und Speer.
- Die Feldausrüstung der Prätorianergarde unterscheidet sich kaum die der Legionäre, es werden die gleichen Rechteckschilde getragen, besondere Merkmale die darauf hindeuten das es sich um Prätorianer handelt sind die dargestellte Nähe zum Kaiser und das Tragen von Helmen mit Federbüsche.
Einige Ausrüstungsgegenstände werden als typisch für diese Garde betrachtet, z. B. der so genannte attische Helm mit Federbusch, wobei es bis heute keinen einzigen direkten Fund dieses Helmtyps gibt der explizit einem Prätorianer zugeordnet werden kann. Dennoch zeigt das Relief von Villa Albani einen Prätorianer im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. mit Segmentrüstung und einem pseudo-korinthischen Helm. Die Funde dieses Helmtyps werden alle um das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert, was einen Zeitunterschied zwischen diesen 2 Ausrüstungsgegenständen von fast 400 Jahren ausmacht. Es ist also sehr gut möglich dass die Prätorianer neuste Panzerungen aber traditionellere Helme trugen, ob nur bei Paraden oder auch bei Missionen lässt sich nicht genauer erörtern.
Allgemein kann man davon ausgehen das der Prätorianer bereits ab Soldatenrang prunkvoller ausgestattet war als sein Kollege Legionär. Gold und vor allem Silber schmückte die Ausrüstung, nicht selten wurden Helme mit Silberblech überzogen.
Die Farbe der Tuniken war gebleichtes Weiss oder Weiss mit grauem oder gelbem Schimmer, also der Farbton ungefärbter Wolle oder Leinen. Das bestätigen neueste Erkenntnisse und Funde von Stoffresten, dessen Alter um das 2. Jahrhundert datiert wurden. Möglich sind aber auch alle andere Farbtöne, die in der antiken Textilfärbung hergestellt werden konnten.
Weitere Merkmale der Prätorianer waren Signa und Tierfelle. Während die Kameraden aus den Legionen sich mit Wölfen und Bären schmückten, trug der signifer und der vexillarius der Garde exotische Tiere wie Löwen und Leoparden über den Kopf. |